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Geschlossene Lebensversicherungsfonds (Lebensversicherungsbeteiligungen)


Geschlossene Fonds im Bereich der Lebensversicherungen engagieren sich im sogenannten Zweitmarkt: Sie kaufen Lebensversicherungen an, von denen sich der einzelne Versicherungsnehmer trennen möchte, führen die Police im Regelfall bis zum Leistungsdatum fort und vereinnahmen die Versicherungsleistung. Wegen der Unterschiede in einzelnen nationalen Versicherungsmärkten existieren heute drei unterschiedliche Konzepte bei Lebensversicherungsfonds:


US-amerikanische Lebensversicherungsfonds


In den Vereinigten Staaten werden, wie in Deutschland auch, Risikolebensversicherungen angeboten. Versichert wird allein die Zahlung einer bestimmten Summe bei Tod der versicherten Person – Überschüsse oder ähnliches werden nicht gebildet.
Anders als in Deutschland aber laufen diese Versicherungen nicht nur bis zum 60. oder 65. Lebensjahr, sondern praktisch lebenslang – mit anderen Worten: der Versicherungsfall tritt in jedem Fall ein, früher oder später. Jede Police dieser Art bietet also die sichere Zahlung der versicherten Summe – die Frage ist nur, wann.


Diese Eigenschaft der US-Risikolebenspolicen hat einen Zweitmarkt entstehen lassen: Ein Versicherter, für den Bargeld heute einen größeren Nutzen hat als die Police (die ja erst nach seinem Tod zahlt), kann die Versicherung verkaufen. Er erhält den Kaufpreis sofort und setzt den Käufer der Police als Begünstigsten im Todesfall ein. Der Käufer der Police zahlt fortan die Versicherungsbeiträge und erhält nach dem Tod des Versicherten die Versicherungssumme.
Geschlossene Fonds in US-Risikolebensversicherungen sind solche Käufer von laufenden Policen. Ihre Aufgabe besteht darin, die erwartete Restlebensdauer der versicherten Person möglichst präzise zu schätzen, um den angemessenen Kaufpreis möglichst treffend zu ermitteln. Vereinfacht gesagt, müssen der Kaufpreis plus die Versicherungsbeiträge für die restliche Lebensdauer der versicherten Person zuzüglich der erwarteten Gesamtrendite mindestens die Versicherungssumme, sprich die Zahlung bei Tod des Verkäufers der Police, ergeben. Verstirbt die versicherte Person früher als geschätzt, erhöht sich die erzielte Rendite für die einzelne Police, verstirbt die Person später als erwartet, sinkt die Rendite oder wird gar negativ. Aufgabe der US-Lebensversicherungsfonds ist somit die möglichst exakte Prognose der Restlebenserwartung einzelner Personen.

 

Beteiligungen dieses Modells entsprechen nicht den ethisch-moralischen Vorstellungen aller Anleger, und die persönliche Bewertung obliegt einem jedem ganz für sich. Anlegern, die der Idee dieser Fonds folgen, bieten sie jedoch einen objektiven Vorteil als Finanzanlage: Die Wertentwicklung dieser Fonds ist aus ersichtlichen Gründen vollständig unabhängig von Aktien-, Renten-, Rohstoff-, Schiffs- oder Immobilienmärkten. Portfoliotheoretisch stellen sie damit geradezu ideale Ergänzungen zu anderen Vermögensanlageklassen dar.

Und jene, die das Geschäftsmodell der US-Fonds nicht teilen mögen, finden in den britischen und deutschen Lebensversicherungsfonds vertrautere Alternativen.


Britische Lebensversicherungsfonds


Die britischen Lebensversicherer sind unter informierten Anlegern schon lange eine bekannte Größe: Denn dank größerer Freiheiten, eines transparenteren und systematischern Investmentprozesses und interessanter Sicherungselemente gelten ihre kapitalbildenden Policen wie beispielsweise Rentenversicherungen seit jeher als hochattraktiv im Vergleich zur deutschen Konkurrenz. Das kundenorientierte Investment hat im britischen Versicherungsmarkt eine größere Tradition als in Deutschland und erweist sich auch regelmäßig als erfolgreicher. Während die deutschen Lebensversicherer ihren Garantiezins auf den Sparanteil zuletzt bereits auf 2,25 Prozent senken mussten, warten britische With-profit-Policen in den letzten Jahren mit Bonuszuweisungen von rund 3–4 Prozent auf, die den Kunden im weiteren Verlauf der Policen nicht mehr verloren gehen können.


Letztlich hängen die Erträge britischer Lebensversicherungen natürlich von den Aktien- und Rentenmärkten ab. Durch konsequentes Asset Management wie bei Investmentfonds einerseits und eine Glättung der Erträge über mehrere Jahre (Smoothing) andererseits erreichten die Versicherer jedoch in der Vergangenheit überwiegend auch in schwierigen Jahren attraktive und stetige Renditen.

Auch in Großbritannien ist aber die vorzeitige Kündigung einer kapitalbildenden Versicherung wenig attraktiv, weil beispielsweise Stornoabschläge erhoben werden oder Schlussbonuszahlungen verloren teilweise gehen. Daher ist für den Versicherungsnehmer in der Regel ein Verkauf der Police attraktiver. Vom Käufer erhält er einen höheren Betrag, als er im Falle einer Kündigung erzielt hätte. Der Käufer der Police wiederum kalkuliert den Kaufpreis so, dass die erwartete Abschlussleistung der Versicherung bei Fälligkeit ihm nach Abzug des Kaufpreises und der Beiträge für die restliche Laufzeit die gewünschte Rendite einbringt.

Aufgabe der britischen Lebensversicherungsfonds als Käufer gebrauchter Versicherungen ist es also vorrangig, die weitere Ertragskraft einer einzelnen Police bis zum Laufzeitende möglichst gut einzuschätzen und sich nach und nach ein Portfolio aus attraktiven Einzelpolicen von verschiedenen Versicherern und mit verschiedenen Restlaufzeiten (Risikostreuung) möglichst günstig einzukaufen.

Im Ergebnis ist eine von den Aktien- und Rentenmärkten nicht gänzlich abgekoppelte, aber durch die Wertglättung in den Policen und die Mischung verschiedenster Laufzeiten doch deutlich weniger abhängige attraktive Rendite erzielbar. Zusätzlich profitieren deutsche Anleger vom Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Großbritannien, dessen Vorteile wir Ihnen gerne auf Anfrage erläutern.


Deutsche Lebensversicherungsfonds


Neben Beteiligungen, die britische Fondspolicen poolen, existieren auch Fonds, die dies mit deutschen Policen tun. Auch hier werden kapitalbildende Versicherungen vom Versicherungsnehmer vorzeitig verkauft, statt sie zu kündigen. Der Käufer (hier der geschlossene Fonds) setzt die Police bis zum Fälligkeitstermin fort und vereinnahmt die Ablaufleistung.

Angesichts der insgesamt schwierigen Situation für viele deutsche Lebensversicherer, des überaus intransparenten Anlageprozesses und der starken gesetzlichen Beschränkungen für die Anlagepolitik sind die Renditeerwartungen grundsätzlich geringer einzustufen als bei britischen Policenfonds, es entfällt andererseits jedoch jedes Währungsrisiko, und die Gesellschaften sind deutschen Anlegern besser bekannt.

Wünschen Sie weitere Informationen oder aktuelle Vorschläge?

 

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Letzte Änderung: 02.04.2009

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