Aktiv oder passiv verwaltete Investmentfonds? 
Es dürfte wohl eine der lebhaftesten Diskussionen der Investmentfonds-Branche sein: Sind Fonds mit aktivem Management oder solche mit passivem Management besser?
...und gelegentlich trägt sie die Züge eines Glaubenskrieges – denn wie in Glaubensfragen so üblich, wird eine absolute Antwort gesucht, wo die Realität nun einmal komplizierter ist.
Was bedeutet aktives und passives Management?
Vereinfacht gesagt, bedeutet aktives Management, dass der Fondsmanager über die genaue Zusammensetzung des Fonds (welche Papiere werden gekauft, gehalten, verkauft) entscheidet. Jeder Fonds, bei dem das Fondsmanagement die genaue Portfoliozusammensetzung bestimmt, ist also in diesem Sinne ein aktiv verwalteter Fonds.
Bei der Frage „aktiver oder passiver Fonds” geht es jedoch nur um Investmentfonds mit einer sogenannten Benchmark, also einem Vergleichswert wie z. B. einem Index (DAX, Dow Jones Industrial Average, NIKKEI etc.). Denn nur bezogen auf eine Benchmark ist passives Management überhaupt möglich.
Ein Beispiel verdeutlicht, warum das so ist, und den Unterschied zwischen beiden Strategien:
Auf den Deutschen Aktienindex DAX, den Index der 30 größten deutschen Aktientitel (sogenannte deutsche Blue Chips) werden ein aktiv verwalteter Aktienfonds „Deutsche Blue Chips A” und ein passiv verwalteter Aktienfonds „Deutsche Blue Chips P” aufgelegt.
Der Manager des aktiven Fonds investiert in diesem Beispiel nur in die 30 Titel des DAX, so wie der passive Fonds auch. Allerdings entscheidet der Manager des aktiven Fonds, welche Titel aus den 30 er überhaupt kauft und in welcher Gewichtung. Ist er also der Meinung, dass eine Aktie, die im DAX sehr stark gewichtet ist, in den kommenden Monaten relativ schwächer laufen wird als der DAX insgesamt, so wird er diese Aktie schwächer in seinem Fonds gewichten oder sie evtl. sogar ganz aus dem Portfolio nehmen. Durch solche Entscheidungen, die auf Analysen, Gesprächen mit den Vorständen der DAX-Unternehmen und Prognosen basieren, versucht der Manager des aktiven Fonds, eine Rendite zu erwirtschaften, die höher ist als die Rendite des DAX. Man sagt, der versucht, den DAX zu schlagen oder eine Outperformance zu erreichen. Das Ausmaß, in dem der aktive Fonds sich besser (oder schlechter) entwickelt als seine Benchmark, als der DAX, bezeichnet man als Alpha.
Man kann verkürzt also sagen: Ziel des aktiven Fondsmanagements ist ein positives Alpha.
Die passive Strategie versucht genau dies nicht. Der passive Aktienfonds aus unserem Beispiel kauft daher den DAX exakt entsprechend seiner aktuellen Gewichtung und passt diese nur bei Veränderungen des DAX selbst an. Man sagt: ein passiver Fonds bildet die Benchmark eins zu eins nach. Der passive Fonds wird sich daher genau so entwickeln wie der DAX.
Da diese Vorgehensweise keinerlei Analysen, Vorstandsgespräche oder sonstige Ressourcen benötigt, weisen passive Fonds deutlich niedrigere Verwaltungsgebühren auf. Und dies ist auch das maßgebliche Argument ihrer Befürworter. Denn, so sagen sie, die Mehrzahl der aktiv verwalteten Fonds schaffe es langfristig ohnehin nicht, ihre Benchmark zu schlagen. Daher sei die passive Strategie langfristig überlegen.
Typische Vertreter dieser passiven Strategie sind z. B. die sogenannten ETF (exchange traded funds).
Was ist richtig?
Die Diskussion ist lebendig und sicherlich noch nicht am Ende. Jedoch finden sich in mehreren Studien Argumente für beide Seiten.
Das unabhängige Ratinghaus Morningstar kam beispielsweise in einer größeren Untersuchung zum Ergebnis, dass aktive Fonds im Vergleich zum Markt umso erfolgreicher sind, je weniger transparent ein Markt ist. Während also die 30 Aktien des DAX praktisch 24 Stunden täglich von tausenden von Analysten untersucht, geschätz, bewertet und eingestuft werden, alle Meldungen fast sekundengenau über die Ticker an alle Handelsplätze laufen und kaum noch jemand im Markt einen echten Wissens- oder Zeitvorsprung haben kann, sieht dieses Bild vielleicht an den Aktienplätzen Türkei, Vietnam der Mexico ganz anders aus. Dort kann entscheidend sein, Analysten vor Ort zu haben, die die Unternehmen und lokalen Märkte genau kennen.
Doch auch bei kleineren Werten in entwickelten Märkten wie z. B. deutschen Small Caps (Aktien mit vergleichsweise geringer Börsenkapitalisierung) kann profundes Research zu echten Informationsvorsprüngen führen.
Die Frage aktiv oder passiv müsste also demnach für einen DAX- oder Dow-Jones-Fonds anders beantwortet werden als für einen Fonds in Schwellenländern, Fonds zu Spezialthemen oder Fonds auf kleinere Titel.
Entscheidend aber sollte stets die Gesamtstruktur des Portfolios und seine Asset Allocation sein – diese ist für die langfristige Rendite weitaus wichtiger als die Frage eines aktiven oder passiven Fonds im Einzelnen.
Ein solches auf Sie abgestimmtes Portfolio erstellen wir Ihnen gerne auf Anfrage.
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