Versicherungsbetrug ist kein Kavaliersdelikt

11.12.2019 (verpd) Einen Schaden von schätzungsweise rund 13 Milliarden Euro verursachen europaweit Versicherungsbetrüger, wie aus einem Bericht der Insurance Europe hervorgeht. Der europäische Branchenverband, dem unter anderem auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) angehört, warnt vor negativen Folgen wie etwa höheren Prämien auf Kosten ehrlicher Kunden. In Deutschland gilt etwa jeder zehnte Leistungsfall als fragwürdig.

„Versicherungsbetrug ist ein signifikantes Problem“, stellt der europäische Versicherer-Verband Insurance Europe, dem rund 37 Länder angehören, in einer aktuellen Publikation fest. Ein Mitglied des Verbandes aus Deutschland ist der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV). Laut der Association of Certified Fraud Examiners (ACFE) – einer internationalen Organisation, deren Ziele unter anderem die Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität und organisiertem Verbrechen sind – handle es sich, nach Steuerbetrug, global um die zweithäufigste Art von Betrug.

Die Delikte könnten sich in wahrheitswidrigen oder unvollständigen Angaben in Anträgen äußern, in irreführenden oder unwahren Angaben in Schadenmeldungen oder in sonstigen Handlungen, die darauf abzielen, mit Falschangaben einen Gewinn aus dem Versicherungsvertrag herauszuschlagen.

Europaweit schätzungsweise 13 Milliarden Euro Schaden

Diese Kriminalität entwickle sich ständig weiter, auch aufgrund neuer Technologien. In den vergangenen Jahren sei „cyberbedingter“ Betrug sichtbarer hervorgetreten, zumal mehr Geschäft online erledigt werde. Im Zusammenhang damit spricht Insurance Europe von einer bedeutenden Zunahme von Identitätsbetrug, wo sich beispielsweise ein Betrüger als Inhaber einer ihm gar nicht gehörenden Police ausgibt.

Der Schaden, der durch Versicherungsbetrug entsteht, sei schwer abzuschätzen, so Insurance Europe. Bei vielen Mitgliedsverbänden werde aber Datenmaterial über entdeckte Fälle gesammelt. Daraus gehe hervor, dass sich das Volumen 2017 europaweit auf 2,5 Milliarden Euro belief. Wenn man noch Schätzungen für unentdeckte Taten und Schätzungen für jene Märkte, in denen dazu keine exakten Daten verzeichnet werden, hinzuzählt, komme man auf einen Betrag von etwa 13 Milliarden Euro.

Insurance Europe betont: Versicherungsbetrug sei kein Vergehen, das unerheblich wäre oder bei dem es keine Opfer gäbe. Vielmehr bedeute er höhere Prämien für ehrliche Kunden; zudem gehe er häufig mit Betrug oder anderen Straftaten in anderen Bereichen einher, zum Beispiel Sozialversicherungs-Betrug oder organisiertem Verbrechen. Und: Bei vielen Fällen gebe es Auswirkungen auf Unschuldige, ob durch wirtschaftlichen Verlust oder emotionale oder körperliche Verletzungen durch inszenierte Unfälle.

In Deutschland rund ein Zehntel der Fälle suspekt

Laut GDV beträgt der geschätzte Schaden, der pro Jahr in Deutschland durch Versicherungsbetrug entsteht, etwa fünf Milliarden Euro. Rund sieben Prozent der Forderungen, die hierzulande laut ACFE vom GDV als suspekt eingestuft werden, entfallen auf die Kfz-Versicherung, neun Prozent auf die Schadenversicherung wie Hausrat- oder Gebäudeversicherungen sowie weitere 16 Prozent auf die Haftpflichtversicherung. Insgesamt ist etwa jeder zehnte Schadenfall fragwürdig.

2018 wurden laut polizeilicher Kriminalstatistik (PKS) des Bundeskriminalamts (BKA) 3.639 Fälle von Versicherungsbetrug und -missbrauch gezählt, 889 davon als Versuche registriert. Die PKS erfasst die der Polizei bekannt gewordenen und durch sie endbearbeiteten Straftaten.

Geld- bis hin zu Gefängnisstrafen möglich

Nach Angaben des GDV versuchen Kriminelle seit es Versicherungen gibt, „sich deren Leistungen zu ergaunern. Die Digitalisierung bringt neue Methoden des Versicherungsbetrugs hervor – aber auch für dessen Bekämpfung. Mit Textforensik, künstlicher Intelligenz und Psychologie jagt die Assekuranz die Täter. Versicherer haben inzwischen technisch aufgerüstet. Mithilfe von Algorithmen scannen sie Bild- und Textdateien, um verdächtige Muster zu erkennen und Widersprüche aufzudecken“.

Zudem schulen die Versicherer seit Jahren ihre Mitarbeiter, damit sie die Anhaltspunkte für einen betrugsverdächtigen Schaden erkennen – und zwar unabhängig von der Schadenhöhe. Schon der Versuch eines Versicherungsbetruges ist strafbar.

Wird ein Betrug aufgedeckt, kann die Versicherungs-Gesellschaft nicht nur die Leistung verweigern beziehungsweise bereits erfolgte Zahlungen zurückfordern und den Vertrag kündigen, sondern auch eine Strafanzeige stellen – und zwar unabhängig von der Schadenshöhe. Bei einer Verurteilung wegen Betrugs drohen, neben einer Geldstrafe, unter anderem nach den Paragrafen 263 und 265 Strafgesetzbuch (StGB) bis zu fünf Jahre und in besonders schweren Fällen sogar bis zu zehn Jahre Haft.

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